Interview mit Sharon und Jose von
Igualdad Animal / Animal Equality

Am frühen Morgen des 22. Juni 2011 durchsuchten Beamte der staatlichen spanischen Polizei die Wohnungen von 12 Aktivist_innen in verschiedenen Orten des Landes (Madrid, Asturien, Baskenland und Galizien). In einem Interview sprechen Sharon und Jose über die spanische Tierbefreiungsbewegung und die Repression von der sie betroffen sind.

Wie lässt sich die Tierrechtsbewegung in Spanien beschreiben?
Jose: Die Tierrechtsbewegung in Spanien wächst ohne Zweifel. In den letzten fünf Jahren haben wir eine sehr positive Entwicklung beobachten können – und obwohl die Tierrechtsbewegung noch klein ist, haben Umfang und Vielfalt der Taktiken und Herangehensweisen zugenommen. Zum Beispiel gab es in den letzten Jahren offene Befreiungen, erste Recherchen, Jagdsabotagen und verschiedenste andere kreative Aktionen. Durch die Medien erreichten Recherchen Millionen von Menschen. Dadurch wurde auch der Veganismus thematisiert. Trotzdem möchten wir klarstellen, dass wir in diesem Land in Bezug auf Bewusstsein und Sensibilität der Gesellschaft gegenüber den Tieren immer noch Jahre zurückliegen im Vergleich zu manch anderen Ländern. Auch gab es inzwischen viele ethische Diskussionen darüber, welche Botschaft verbreitet werden sollte. Jetzt beobachten wir eine wachsende vegane Bewegung, die vor fünf oder sechs Jahren unvorstellbar gewesen wäre.

Wie lässt sich die Situation von Animal Equality beschreiben?
Sharon: Ich denke, dass Animal Equality in der Entwicklung der Bewegung eine sehr wichtige Rolle gespielt und wesentlich zu ihrem Wachstum beigetragen hat. Wir haben die ersten offenen Befreiungen durchgeführt und 2008 die ersten Recherchen in Schlachthäusern an die Öffentlichkeit gebracht.
Animal Equality hat eine sehr zielstrebige Herangehensweise an den Aktivismus. Von Anfang an hatten wir täglich Infostände und protestierten jeden Tag auf der Straße. Momentan überwiegen beispielsweise Recherchearbeiten, die über die Medien veröffentlicht werden. Und wir haben immer noch wöchentlich Proteste in Madrid, Barcelona, Granada und Sevilla.

Könnt ihr ein Beispiel für euren Einfluss auf die Bewegung nennen?
Jose: Ich erinnere mich an das erste International Animal Rights Gathering, das 2009 in Oslo stattfand. Das Feedback, das wir bekamen, war überwältigend. Die anderen AktivistInnen waren beeindruckt und wollten Ähnliches in Gang setzen.
Es war eine andere Herangehensweise, als es die Leute bisher kannten. Viele Gruppen, zum Beispiel aus den lateinamerikanischen Ländern Chile (Elige Veganismo), Venezuela und Argentinien (Especismo Cero) begannen auf ähnliche Art zu arbeiten: Indem sie den Speziesismus hinterfragen und Veganismus verbreiten. So gibt es jetzt auch in Chile erste Recherchen und offene Befreiungen und sie orientieren sich an unseren Aktionsformen. Außerdem haben uns italienische Aktivis-tInnen zu ihrem Gathering eingeladen. Finnische und schwedische AktivistInnen teilen uns mit, dass sie durch unsere Herangehensweise neue Ideen gewonnen haben.

Ihr habt die Herangehensweise von Animal Equality erwähnt. Könnt ihr eure Vorstellungen genauer beschreiben?
Sharon: Wir sind AntispeziesistInnen, darum erachten wir andere Tiere als uns gleichwertig. Wir teilen mit ihnen die Fähigkeit zu fühlen. Das sehen wir als Grund dafür, anderen mit Respekt zu begegnen. Tiere nehmen die Welt wahr und möchten leben. Ihr Interesse ist es, nicht zu leiden. Und hier spielen die Unterschiede zwischen uns und den anderen Tieren keine Rolle.
Das ist nicht nur unsere Überzeugung, sondern auch die Strategie, die wir gewählt haben. Wir sind der Meinung, dass das Hauptproblem in der speziesistischen Denkweise liegt. Das bedeutet: Menschen empfinden sich Tieren gegenüber als höherwertig, schlicht weil sie einer anderen Spezies angehören. Bei unseren Protestaktionen reden wir offen über die speziesis-tische Diskriminierung und wir verbreiten Veganismus und die Ablehnung der Versklavung von Tieren im täglichen Leben. Das ist die Lösung für die Befreiung der Tiere von ihrem Leid. Im Wesentlichen ist das also unsere Herangehensweise: Den Speziesismus hinterfragen, mittels Recherchen über Veganismus informieren, offene Befreiungen und schockierende Proteste. So erreichen wir die Aufmerksamkeit der Medien und damit auch der Gesellschaft.
Wir versuchen, realistisch zu sein und praktisch zu arbeiten. Das bedeutet immer im Hinterkopf zu behalten, wie die Gesellschaft, in der wir leben, tickt. Wir versuchen, nicht allzu komplizierte Aussagen zu formulieren, um so von der Allgemeinheit verstanden zu werden.

Könnt ihr uns einen Überblick darüber geben, was im Juni 2011 passiert ist?
Sharon: Als Jose und ich am 22. Juni loszogen, um in einem Schlachthaus zu filmen, wurden wir von der Polizei angehalten. Uns wurde gesagt, wir wären verhaftet. Wir wurden zu unserem Haus gebracht, das durchsucht wurde. Uns wurde alles genommen. Wir wissen nicht einmal, wie viel und was das genau war; sie trugen etwa 17 bis 20 Kisten aus dem Haus. Das waren etliche Jahre unseres Aktivismus. Unser gesamtes Filmmaterial, alles, was wir herausgefunden hatten. Außerdem alles Material und unsere Ausrüstung: sämtliche Kameras, auch die versteckten Kameras; alles, was wir zum Arbeiten brauchen.
Dann hat man uns gesagt, dass unsere Festnahme etwas mit der Nerzbefreiung, die 2007 in Spanien stattfand, zu tun hätte. Eine Befreiung, an der wir nicht beteiligt waren. Wir wurden zu einer sieben bis acht Stunden entfernten Polizeistation im Norden Spaniens gebracht. Dort verbrachten wir vier Tage, in denen wir uns mit anderen TierrechtsaktivistInnen von Equanimal besprachen. Wir traten in Hungerstreik, weil die Situation in unseren Augen ungerechtfertigt war: pure Willkür gegenüber AktivistInnen. Das Einzige, was wir wollen, ist eine bessere Welt für nicht-menschliche Tiere.
Dann wurden wir vor das Gericht zitiert, um befragt zu werden. Seit diesem Zeitpunkt ist der Fall eine Farce, weil alles unter Verschluss gehalten wird. Wir haben keinen Zugang zu unseren Akten und den Informationen, auf deren Grundlage sie gegen uns vorgehen und was sie gegen uns verwenden könnten. Wir und die anderen zehn AktivistInnen stellen uns mittlerweile auf einen riesigen Prozess gegen die Tierrechtsbewegung ein. In diesem Prozess gibt es eine Menge unvorschriftsmäßiger Vorgänge, die uns das Gefühl vermitteln, Opfer von Repression zu sein.
Warum? Weil trotz der unter Verschluss gehaltenen Dokumente im Fernsehen Bilder der Hausdurchsuchungen gesendet wurden. Außerdem wurden einige der Dokumente in den Medien gezeigt, zu denen weder wir noch unser Anwalt Zugang haben. Der Richter bezeichnete uns öffentlich als Öko-Terroristen, während er in seinem Amt eigentlich der Unschuldsvermutung verpflichtet ist. Schon am Tag der Festnahme wurden wir so genannt.
Die Polizei hat Dateien verschickt, in denen sie uns aller möglichen Verbrechen beschuldigen, mit denen wir nichts zu tun haben. Zum Beispiel Häuser niederzubrennen und dergleichen, oder sogar Leichen auszugraben. Wir sehen uns einem undurchsichtigen und ungerechten Prozess gegenüber, der sich gegen die ganze Tierrechtsbewegung richtet.

Könnt ihr die Anklage beschreiben, die gegen euch erhoben wird?
Jose: Die einzelnen Anklagepunkte wurden noch nicht festgelegt, aber wir wissen generell schon, auf was die Klage hinausläuft:
Dass wir eine illegale Vereinigung sind, worunter man versteht, dass sich zwei oder mehr Leute in einer Gruppe organisieren und Verbrechen planen und durchführen wollen; das unerlaubte Betreten von Grundstücken, womit sie wahrscheinlich das Betreten der Farmen meinen, in denen wir gefilmt haben; das Verursachen von Schaden, der mit der Sabotage von Farmen oder anderer Betriebe der Tierausbeutungsindustrie einhergeht; Umweltschäden im Zusammenhang mit der Befreiung von Nerzen, das Offenlegen von Geheimnissen, die wohl mit den Recher-chearbeiten zusammenhängen, also die Darstellung der realen Situation, die Tiere auf Farmen und anderswo ertragen müssen.
Gegen einige AktivistInnen wird auch Anklage wegen Aggression, Gewaltattacken und Drohungen erhoben.
Sharon: Momentan drohen uns allen Haftstrafen von bis zu neun Jahren, aber das kann sich noch ändern und mehr werden, wenn der Richter es für nötig erachtet.

Was glaubt ihr, warum sie gerade euch aus der Gruppe der AktivistInnen von Animal Equality ausgewählt haben?
Jose: Weil Sharon, Javier und ich die Koordinatoren der Gruppe sind. Koordinatoren einer Gruppe, die Recherchen in Nerzfarmen durchgeführt hat. Wir wissen, dass auch die Pelzindustrie ihre Finger im Spiel hat. Die Bilder unserer Recherchen beschädigten das Image und den Ruf der Industrie. Und sie wissen genau, dass diese Art von Nachforschung in anderen Ländern dabei geholfen hat, die Pelzindustrie zu verbieten. Wir denken, dass der Staat versucht, die Tierausbeutungsindus-trie zu schützen. Vor allem dann, wenn der Richter uns in den Zeitungen beschuldigt, Öko-Terroristen zu sein. Der Begriff Öko-Terrorist wurde 1983 von einem Industriellen namens Ronaldo geprägt. Er benutzte ihn, um die Interessen der Pharma- und Agrarindustrie und die der Pelzfarmen zu schützen und damit – wie er sagte – die Bewegung zu zerstören. Von da an fing die amerikanische Regierung an, den Begriff immer öfter zu verwenden, bis er nach Österreich, England und jetzt auch nach Spanien überschwappte.
Was unterscheidet den österreichischen Fall von eurem und was hat er für Ähnlichkeiten?
Sharon: Es gibt viele Ähnlichkeiten, vor allem die Festnahmen und die großen Polizeieinsätze mit 13 durchsuchten Häusern und zwölf festgenommenen AktivistInnen, die sofort ins Gefängnis geworfen und vier Tage lang festgehalten wurden. Drei der AktivistInnen waren 20 Tage in Sicherheitsverwahrung.

Ähnlich ist auch, dass wir keinen Zugang zu den Akten haben und zu Informationen, die gegen uns verwendet werden. Im Prinzip ähneln sich die Ordnungswidrigkeiten – beispielsweise wenn uns der Richter als Öko-Terroristen bezeichnet. Die Polizei versorgt die Medien mit Informationen, sodass wir im Fernsehen sehen können, wie unsere Häuser durchsucht werden, obwohl wir selbst gar nicht wissen, was überhaupt konfisziert wurde.
Jose: Und dass die Medien uns als Kriminelle darstellen, bevor wir die Möglichkeit haben, uns zu verteidigen.
Sharon: Es gibt also viele Parallelen. Der Unterschied ist offensichtlich, dass die Österreicher drei Monate im Gefängnis waren, was in unserem Fall nicht zutraf. Ihre Situation war also viel schlimmer als die unsere. Einer von ihnen ging in einen sehr langen Hungerstreik, der für ihn sogar gesundheitlich schädlich war. Ich denke also, dass unsere Situation nicht so schwierig war wie die österreichische, bei allem was sie durchgemacht haben, aber wir befinden uns vermutlich in einem ähnlichen Szenario.

Gab es im Vorfeld Hinweise, dass die Polizei hinter euch her war?
Sharon: Wir wurden schon vorher wegen zivilen Ungehorsams verhaftet und waren auch im Gefängnis, aber nur für ein paar Stunden. Persönlich hatte ich keine Ahnung, dass etwas passieren könnte, denn ich habe nichts Ungewöhnliches bemerkt. Aber unterbewusst dachte ich, dass etwas passieren könnte. Nun, nachdem ich es erlebt habe, glaube ich, dass ich manchmal das Gefühl hatte, verfolgt zu werden, aber ich ignorierte es einfach. Aber wenn ich nun daran zurückdenke, wird mir klar, dass ich tatsächlich verfolgt wurde.

Für welche Art des zivilen Ungehorsams wurdet ihr verhaftet?
Jose: Unsere erste Aktion zivilen Ungehorsams war, uns an den Eingang eines Schlachthauses zu ketten. Vor fünf Jahren haben wir uns mit Bannern gegen Stierkämpfe an Gebäuden abgeseilt. Wir sind in den Ring der Stierkampfarena gesprungen, um die Tötung des Stieres zu verhindern, und auf Laufstege gesprungen, auf denen Pelze gezeigt wurden, um unsere Meinung gegen die Pelzindustrie zu verbreiten. Außerdem haben wir uns an Pelzstände gekettet und tote Tierkörper gezeigt, die für ihr Fell ausgebeutet wurden.

Wie hat die Repression die Bewegung in Spanien beeinflusst?
Sharon: Wir kennen die genauen Auswirkungen nicht. Es brachte auf jeden Fall viele Leute zusammen. Das war die positive Seite. Viele AktivistInnen, die selbst Probleme mit Repression hatten, haben sich gemeinsam mit uns gegen Repression stark gemacht. Die negativen Effekte kennen wir noch nicht, weil wir nicht wissen, wie lang das alles noch dauert oder wie weit sie gehen werden.
Jose: Ich denke, einige AktivistInnen haben Angst bekommen, ein Teil der Tierrechtsbewegung zu werden, weil sie die möglichen Konsequenzen fürchten.
Glücklicherweise hält das aber nur wenige Leute davon ab sich zu beteiligen – einige schließen sich uns sogar aus Solidarität an.
Sharon: Wir haben keine Mitglieder verloren.

Und wie war die Reaktion auf die Repression generell in der Gesellschaft?
Sharon: Sagen wir: Leider nehmen Menschen Dinge so wahr, wie sie in den Medien dargestellt werden. Von Anfang an waren wir also die Öko-TerroristInnen und sie erzählten noch eine Menge anderer Absurditäten über uns.
Das war die Botschaft, die an die Öffentlichkeit ging, aber die kritische Masse hat verstanden, dass es einen großen Angriff gegen die Tierrechtsbewegung in Spanien gibt. Das brachte uns und die Tierrechtsbewegung näher zusammen und schließlich wurden wir auch von Leuten anderer Bewegungen unterstützt. Eine davon war eine bedeutende Person der Umweltbewegung, die sich jetzt zur Wahl aufstellen lässt und einen öffentlichen Brief zu unserer Unterstützung schrieb. Und da gibt es noch viele weitere UnterstützerInnen.

Was habt ihr geplant, um der Repression entgegenzuwirken? Was habt ihr bereits getan?
Sharon: Ab dem Tag der Festnahme wurde auf der ganzen Welt protestiert, die AktivistInnen wurden direkt unterstützt. Wir selbst haben protestiert, um die Aufmerksamkeit der Medien und der Öffentlichkeit auf uns zu lenken, um so zu zeigen, was wirklich passiert. Eines der wichtigsten Dinge hierbei ist das Erscheinen einer CD, auf der viele berühmte spanische Bands zu hören sind, die die Antirepressionsarbeit mit ihren Liedern unterstützen. Alle Einnahmen, die wir durch die CD erzielen, gehen an die Antirepressionskampagne.

Wie können euch Gruppen außerhalb von Spanien unterstützen?
Sharon: Es ist sehr wichtig, dass alle über das, was passiert, auf dem Laufenden gehalten werden. Auf unserer Website unitedagainstrepression.org könnt ihr euch informieren, die internationalen Aktionstage unterstützen und wenn möglich auch Aktionen organisieren, die sich auf die Antirepressionskampagne beziehen.

Ihr habt vorhin den Begriff Öko-Terrorismus verwendet – was denkt ihr, könnte eine effektive Strategie gegen den Green Scare auf der Welt sein?
Jose: Ich denke, wir sollten weiterarbeiten, aktiv sein und vor allem unsere Arbeit verteidigen. Besonders die Recherchearbeit und die Kampagnen sind sehr wichtig. Sie tragen zu aufgeklärten Entscheidungen der Menschen bei.
In gewisser Weise kann man dieses Votum als die Stimme der Tiere betrachten, die sonst stumm bliebe. Ich denke, es ist wirklich wichtig, öffentliche Unterstützung zu bekommen und daran sollten wir immer denken, wenn wir Aktionen durchführen.
Sharon: Ja, da stimme ich zu. Ich finde, wir müssen daran arbeiten, die öffentliche Unterstützung auszubauen. Martin Balluch hat das während des Prozesses in Österreich getan. Öffentlicher Rückhalt verhindert Repression. Genau deshalb sollten wir weiterhin daran arbeiten.
Ihr habt vorher die Website unitedagainstrepression.org ins Gespräch gebracht. Es gab noch eine andere Website, die nur wenige Tage nach eurer Verhaftung ins Leben gerufen wurde: thespanish12.wordpress.com

Könnt ihr uns erklären, weshalb ihr den Namen der Kampagne geändert habt?
Sharon: Zum einen fühlten sich zwei Personen nicht zugehörig zum Rest der Gruppe, so dass eigentlich nur zehn Aktivis-tInnen in die Kampagne involviert waren. Die Zahl hat also nicht mehr gestimmt. Außerdem kommen die AktivistInnen aus unterschiedlichen Teilen Spaniens und manche fühlen sich nicht wohl dabei, als Spanier bezeichnet zu werden. Deswegen heißt es nur: unitedagainstrepression.org
Jose: Außerdem wurden nur zwei von uns verhaftet, aber die Zahl könnte ja ansteigen und dann wäre die Bezeichnung auch nicht mehr korrekt.

Könnt ihr über eure Erfahrungen während eurer Haft berichten?
Sharon: Es war ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber dem, was vor sich ging. Auf einmal war man nur noch ein Ding, das von der Polizei, vom Gericht herumgereicht wurde. Sie machen mit dir, was sie wollen, sagen dir wohin du zu gehen hast und verbieten dir zu reden.
Aber dann hatten wir auch glückliche Momente: Ich erinnere mich, dass die Polizei in unsere Zelle kam und erzählte, dass wir von AktivistInnen und Menschen aus der ganzen Welt angerufen wurden, die uns unterstützen wollten. Die Anrufer forderten von der Polizei uns veganes Essen zu geben und nannten die PolizistInnen TerroristInnen.
Ein Polizist erzählte mir, er wurde in allen existierenden Sprachen „Terrorist“ genannt. Es war sehr schön, das zu hören, in dem Wissen, dass, obwohl solch schreckliche Dinge passieren, die Tierrechtsbewegung reif genug ist, in einer derartigen Situation zusammenzuhalten. Ich hoffe, ich kann darauf antworten, indem ich gute Arbeit für die Tiere leiste.

Wie geht es euch jetzt?
Jose: Es ist eine seltsame Situation, weil die Festnahmen schon einige Monate zurückliegen. Jetzt haben wir beschlossen, weiterzuarbeiten und tun das auch schon seit unserer Freilassung. Manchmal denken wir gar nicht mehr an den Prozess, aber wir wissen auch, dass das irgendwann plötzlich wieder unsere Leben bestimmen, all unsere Aufmerksamkeit erfordern wird und wir uns bald im Gerichtssaal wiederfinden könnten. Das können wir jetzt nicht wissen. Aber falls es passieren sollte, möchten wir vorher so viel wir nur können zur Bewegung beisteuern.
Sharon: Ich persönlich fühle mich trotz aller Geschehnisse stärker als jemals zuvor. Das Feuer, das in mir brennt, ist größer und größer geworden. Ich will wirklich für Tiere und gegen all diese Menschen, die uns und die Tiere stumm machen wollen, kämpfen. Ja, ich fühle mich gut.

Gibt es irgendetwas, das ihr hinzufügen wollt, irgendetwas, das euch noch wichtig ist?
Sharon: Eine Botschaft an AktivistInnen und an alle, die an der Tierrechtsbewegung beteiligt sind: Habt keine Angst und zieht euch nicht zurück. All das ist nur eine „natürliche“ Reaktion, die uns zeigt, dass wir effektiv sind und dass wir jenen schaden, denen wir auch schaden sollten.
Jose: Ich will euch für das Interview und für die Möglichkeit, uns hier auszudrücken, danken. Und besonders möchte ich mich bei all den AktivistInnen und Menschen bedanken, die uns unterstützt haben und in ihrer Unterstützung auch nicht nachgelassen haben.

Dieses Interview führten Ricoli und Isabella
von der Tierbefreiung

Weitere Infos:
http://www.tierbefreier.de/tierbefreiung/index.html

Artikel zur Repressionswelle in Spanien:
https://linksunten.indymedia.org/en/node/43015
https://linksunten.indymedia.org/en/node/44139
https://linksunten.indymedia.org/en/node/42384
https://linksunten.indymedia.org/en/node/42500
https://linksunten.indymedia.org/en/node/42349
https://linksunten.indymedia.org/en/node/42086
http://www.animalequality.net/news/twelve-animal-rights-activists-arrested-spain

Weitere Links zur Repression gegen die Tierbefreiungsbewegung:
http://totalliberation.blogsport.de/