Marius ‚Marie’ Mason wurde im März 2008 verhaftet, nachdem ihr ehemaliger Lebenspartner – Frank Ambrose – zu einem Informanten für das FBI wurde. Angesichts einer lebenslänglichen Strafe vor Gericht, entschied sie sich dazu im September 2008 einen Deal einzugehen, sie gestand ihre Beteiligung an der Inbrandsetzung der Räumlichkeiten einer Firma, die an der Forschung mit gentechnisch veränderten Organismen beteiligt ist und die Zerstörung von Gerätschaften zur Baumfällung. Marie erhielt Februar 2009 ihr Urteil: 22 Jahre Haft. Sie hat ihre Teilnahme an verschiedenen Aktionen der ELF zugegeben, allerdings ohne weitere Genoss_innen preiszugeben. Sie wurde von ihrem ehemaligen Freund und Genossen verraten. Weitere Infos über Mariu’s Fall unter: http://supportmariusmason.org/
Wenn ihr Marius unterstützen bzw. ihm ins Gefängnis schreiben wollt ist es momentan noch wichtig die Briefe an Marie Mason zu adressieren. Im Juli 2014 hat Marius beschlossen mit männlichen Pronomen angesprochen werden zu wollen und nicht mehr mit dem Namen Marie. Bis sein Name auch offiziell anerkannt wird ist es notwendig weiter an Marie zu schreiben.

Hier die Gefängnisadresse von Marius:
Marie Mason #04672-061
FMC Carswell
Federal Medical Center
P.O. Box 27137
Fort Worth, TX 76127

Einige Gedanken zu Marius Mason und staatlicher Repression
Marius Mason hat die unglückliche Auszeichnung eines der höchsten Urteile für umweltaktivistische Gefangene in den Vereinigten Staaten inne zu haben. Bitte beteiligt euch am internationalen Tag der Solidarität mit Marius Mason und anderen anarchistischen Langzeitgefangenen. Dies ist der Moment, um sich an unsere Freund_innen in den Knästen – die ihre Kämpfe von innen fortsetzen – zu erinnern. Dies ist der Moment, um die Arbeit für welche Marius nun so viele Jahre absitzen muss, fortzusetzen und zu intensivieren – der Kampf gegen Kapitalismus, ökologische Zerstörung und die stetig diffuseren Formen der Kontrolle in dieser Knastgesellschaft.

Der Staat stahl Marius Mason im Jahr 2008 von uns. In den Jahren nach seiner Festnahme fühlt sich Repression weniger wie ein herausragendes Ereignis an, sondern eher wie ein nicht enden wollender und unausweichlicher Alptraum. Verurteilt zu 22 Jahren, verharrt Marius bis heute in einem Käfig und ist mit diesem Alptraum vertrauter als kaum jemand sonst.

In letzter Zeit hören wir viel Gerede über das Ende der Zeit und ein totaler Kollaps der Umwelt scheint bevorstehend. Aber was bedeuten diese Kräfte für jene innerhalb der Gefängniszellen? Was meinen sie für uns draußen? Wir versuchen sowohl uns gegenseitig als auch einige Fetzen von Wildnis auf dieser Erde zu retten. Unsere Aufgabe ist schwierig und scheint manchmal unmöglich, denn umso härter wir kämpfen, umso mehr Repression begegnen wir. Jeden Tag verlieren wir mehr Spezies, mehr „Natur“, mehr Freunde… und dieser Prozess zeigt keinerlei Anzeichen einer Verlangsamung. Wie überleben wir und wie kämpfen wir weiter, in Anbetracht dieser Realität?

Wenn gewinnen unser einziges Ziel wäre, wäre es einfach, aufzuhören. Doch obwohl wir vielleicht kämpfen um zu gewinnen, tun wir dies auch, da in dieser Situation zu kämpfen bedeutet, zu leben. Von außerhalb ist es einfach, eine Gefängnisstrafe mit dem Ende von Allem gleichzusetzen… doch Marius kämpft noch immer. Mit unserer Liebe für ihn und unserem Hass für das Gefängnissystem kämpfen wir an seiner Seite.
Das bedeutet nicht nur, unsere Kämpfe außerhalb der Gefängnismauern weiterzuführen, sondern auch mit den Eingesperrten Wege zu gehen, die sie verbunden halten mit ihren Freunden und ihren Communities. Der Staat entführt unsere Freunde und wir müssen dafür sorgen, dass er nicht erfolgreich in seinem Bemühen ist, sie zu isolieren und zu zerstören. Unser Kampf kann nur weitergehen, wenn wir gemeinsam kämpfen.
Es ist an der Zeit unsere Energie, Kraft und Liebe auf die Leute zu konzentrieren, die nicht vergessen werden dürfen. Die letzten Jahre erlebten ein unglaubliche Welle an Unterstützung für Marius von außerhalb der US und innerhalb der US, Solidarität mit langzeitinhaftierten Anarchist_innen von anderen Orten zu zeigen. Nutzt eure Kreativität um euren Wegbegleiter_innen zu zeigen, dass sie nicht allein sind und dass wir für sie weiter kämpfen werden. Für sie, die Erde und die totale Freiheit. Der Staat versucht immer wieder uns zu zerstören, wie immer – doch Marius, Eric, Justin Solondz, Marco Camenisch, die Widerständigen der Grand Jury von heute und morgen und so viele Andere zeigen uns, wie diese Versuche zu überleben sind. Lasst uns jeden Tag zu einem Fest unseres gemeinsamen Überlebens und Widerstands machen!

Lasst uns kämpfen für diejenigen, die der Staat versucht hat, zum Verschwinden zu bringen. Koordinierte internationale Solidarität ist im Aufschwung begriffen und Informationen über anarchistische und umweltpolitische Langzeitgefangene werden über viele geographische und sprachliche Barrieren hinweg weitergegeben.

Diese Bemühungen haben eine außerordentliche Wirkung auf das Leben von Marius und vieler anderer. Spendensammler_innen haben ihnen beispielsweise dabei geholfen, ihren veganen Prinzipien treu zu bleiben, Angehörige und Freunde konnten ihn trotz riesiger Entfernungen besuchen, neue Generationen von Radikalen in der ganzen Welt beziehen sich solidarisch auf ihn. Unsere Solidarität trägt mit großem Erfolg dazu bei, dass Marius und viele andere anarchistische und umweltpolitische Langzeitgefangene in unseren Herzen und Gedanken bleiben und in unseren Kämpfen lebendig sind.

Doch dieser Prozess des Erinnerns, des „Lebendighaltens“ ist eine heikle Sache.
Unsere Kämpfe und Bewegungen leiden oft an mangelnder Erinnerung, einem Mangel an Verständnis und an Kontextualisierung mit der Vergangenheit, aus der heraus wir unseren Aktionen in der Gegenwart Form geben können.
Der Staat ist derzeit in der Lage, unsere Genoss_innen zu kidnappen und lebendig zu begraben, sie zu zwingen, ununterbrochen jahrzehntelang in kaltem Stahl und Beton zu verkümmern. Sie sind aus unseren Gemeinschaften, aus unserem Leben gerissen. Und an ihrer Stelle existiert eine schmerzliche Leere.

Der Staat verlässt sich seinerseits auf die Gültigkeit des alten Spruchs „die Zeit heilt alle Wunden“; er hofft, dass diese Leere allmählich verschwindet und wir „vergessen“. Wenn er sie lange genug gefangen hält, so kalkuliert die Repression, werden die Aktionen unserer mutigen Genoss_innen im Dunkel der Geschichte verblassen und wir draußen müssen ohne ihre konstruktive und liebende Gegenwart in unseren Kämpfen bleiben. Wir müssen gegen diese repressive Taktik vorgehen, wir dürfen nicht vergessen!

Im Lauf der letzten Jahre haben wir in der ganzen Welt einen starken Anstieg von Aktionen ökologischer Verteidigung und Tierbefreiungen erlebt. In diesem sich ständig verstärkenden Widerstand ist es von wesentlicher Bedeutung, dass wir die Aktionen und Kämpfe der Vergangenheit anerkennen und auch die Genoss_innen, die wir nun unglücklicherweise „Langzeitgefangene“ nennen müssen. Die Weiterführung ihrer Kämpfe – sich aktiv an sie zu erinnern – muss lebendig erhalten werden.

Freiheit für Marius! Freiheit für alle Gefangenen!

Weitere Infos zu Marius:
Marius Support: http://supportmariusmason.org/
Marius Statement zur ABC-Conference im Oktober 2014: http://supportmariusmason.org/2014/10/13/marius-statement-to-the-2014-abc-conference/
Queers against prison: https://www.facebook.com/events/1524864291089045/?ref=3&ref_newsfeed_story_type=regular
11. Juni: http://june11.org/news/2014/german-callout.php
Anarchist Black Cross: http://www.abc-berlin.net
Antifaschistisches Tierbefreiungskollektiv Aachen: http://atiko.blogsport.de/gefangene/
Totalliberation: http://totalliberation.blogsport.de